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Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo im Interview

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Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo im Interview

US-Präsident Donald Trump twittert seit seinem Amtsantritt gegen das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA. Die Mexikaner beeindruckt das aber kaum, erklärt ihr Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo in einem Interview mit der Journalistin und Mexiko-Kennerin Dr. Hildegard Stausberg, das in der WELT vom 10. Februar 2018 erschienen ist. Entrada fasst die wichtigsten Aussagen für Sie nochmals zusammen.
>>>Um mehr über eine eigene Produktion in Mexiko zu erfahren, kontaktieren Sie uns bitte.

Weitere Verhandlungen
Die politischen Vertreter Mexikos und Kanadas verhandeln mit den USA aktuell über eine Neuauflage des trilateralen Freihandelsabkommens NAFTA. Inzwischen wurden zwar Fortschritte erzielt, die eine Fortsetzung der Gespräche ermöglichen – doch noch ist man weit von einer Einigung entfernt. Wir von der Entrada Group geben deutschen Herstellern zu jedem Punkt eine Stellungnahme, wie wir die Dinge sehen.

Entrada’s Sicht der Dinge: Sollte das Freihandelsabkommen NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko aufgekündigt werden, würden diese Länder zu den Regeln der WTO, der Welthandelsorganisation zurückkehren. Diese Regeln schreiben Tarife vor, die – je nach Branche – zwischen 0 und 5% höher liegen als die geltenden NAFTA-Tarife. Daher ist das „Albtraumszenario“ von 30% oder 40% höheren Zöllen auf Güter, die in die USA exportiert werden, sehr unwahrscheinlich, es sei denn, die USA wollen tatsächlich einen Handelskrieg beginnen.

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Nicht mit Hektik auf jeden Trump-Tweet reagieren
Ein Jahr nach dem Regierungsantritt von Präsident Donald Trump zieht Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo eine erste Bilanz der Handelsbeziehungen mit den USA. Zunächst waren die Märkte sehr nervös, konstatiert er. In der Folge begann der mexikanische Peso spürbar an Wert zu verlieren, da viele Akteure überreagierten. Doch inzwischen hat Mexikos Regierung begonnen, sich auf den neuen Politikstil in Washington einzustellen, wodurch sich der Rahmen für Gespräche wieder erweitert hat. Deshalb sein Tipp, den – unserer Einschätzung nach – auch wir Europäer in den Beziehungen zu den USA beherzigen sollten: Nicht auf jeden neuen Trump-Tweet hektisch überreagieren.

Entrada’s Sicht der Dinge: Die Erfahrungen der europäischen Entrada-Kunden an unserem Produktionsstandort in Zentralmexiko zeigen, dass die Bedingungen in Mexiko für die Zukunft positiver sind als die Nachrichten von Präsident Trump erwarten lassen.. Unser Fertigungsstandort in Zacatecas, Mexiko hat eine Fläche von fast 100,000 m2 und wächst jedes Jahr aufgrund der anhaltenden Kundenexpansion. Unsere europäischen Kunden beschäftigen derzeit ca. 250 Mitarbeiter, eine Zahl, die in den nächsten 6-8 Monaten auf 600-800 anwachsen wird.
Wie unsere anderen Kunden erhalten auch unsere europäischen Kunden neue Aufträge, erweitern ihre Kundenbasis und vergrößern ihre Präsenz und ihren Personalbestand in Mexiko. Sie blicken in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit.

EU March 2018 Bulletin1-08

Bereit für ein Leben ohne NAFTA
Mexiko verhandelt mit aller Kraft, um ein neues NAFTA-Abkommen abzuschließen. Dennoch wäre es für Guajardo fahrlässig, nicht nach Alternativen zu suchen. In diesem Rahmen kommt Mexiko bei den Verhandlungen zur Modernisierung des Freihandelsabkommens mit Europa gut voran, ebenso wie bei den Gesprächen mit den TPP-Partnern. Deshalb bejaht Mexiko die Modernisierung des NAFTA-Abkommens. Wenn diese Bemühungen aber scheitern sollten, stellt Guajardo mit Nachdruck klar, dass die Wirtschaft des Landes gerüstet ist, auch ohne NAFTA klar zu kommen. Das zeigt unserer Meinung nach deutlich, dass für deutsche Investoren Mexiko auch in Zukunft ein attraktiver Standort bleiben wird – mit oder ohne Neuauflage des NAFTA-Freihandelsabkommens.

Entrada’s Sicht der Dinge: Die Nachrichten aus Deutschland des vergangenen Jahres bestärken uns in der Überzeugung, dass Mexiko nach wie vor eine attraktive Investitionsmöglichkeit für deutsche Hersteller darstellt.
Die folgende (unvollständige) Liste nennt einige deutsche Unternehmen, die entweder vor Kurzem eine Erweiterungen ihrer Produktionskapazitäten in Mexiko angekündigt haben oder diese für 2018 planen:

  • Boge Gummi und Kunststoffe
  • Bosch
  • Continental
  • Kautex Maschinenbau
  • Leoni
  • Saargummi
  • Salzgitter Mannesmann Präzision
  • Schaeffler

 

EU March 2018 Bulletin1-07

Globale Ausrichtung nach Europa
Die Finanzmärkte überbewerten die Bedeutung von NAFTA seit geraumer Zeit, ist sich Wirtschaftsminister Guajardo sicher. Er stellt darüber hinaus klar, dass Mexiko auch in Zukunft eine offene Volkswirtschaft bleiben wird, die sich immer weiter in die Weltwirtschaft integriert. So ist China bereits heute zweitwichtigster Handelspartner – selbst ohne Freihandelsabkommen mit Peking.
Auch bei der achten Gesprächsrunde mit der EU ist Mexiko einen großen Schritt weitergekommen, sagt Guajardo im Interview und hofft auf den baldigen Abschluss eines neuen, modernisierten Abkommens. Dabei wird Mexiko auch die Interessen jener Investoren berücksichtigen, die ins Land gekommen sind, um den gesamten nordamerikanischen Markt zu bedienen und spricht in diesem Zusammenhang explizit die vielen deutschen Unternehmen an.
Resümierend lässt sich die Folgerung ziehen, dass die mexikanische Regierung bei den wirtschaftlichen Entscheidungen unabhängig vom Ausgang der NAFTA-Verhandlungen die Interessen europäischer Firmen mit Standorten in Mexiko berücksichtigen wird.

EU March 2018 Bulletin1-06

Das gesamte Interview der Journalistin und Mexiko-Kennerin Dr. Hildegard Stausberg mit Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo ist in der WELT vom 10. Februar 2018 unter dem Titel „Wir sind bereit, auch ohne NAFTA zu leben“ erschienen. Sie können es auch in gesamter Länge in der Online-Ausgabe der WELT unter folgendem Link nachlesen:https://www.welt.de/wirtschaft/article173387317/Mexiko-Wir-sind-bereit-auch-ohne-Nafta-zu-leben.html